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Manche Künstlerinnen werden leiser, wenn die Jahre vergehen. Lena Stoehrfaktor wird eher kantiger. Die Berliner Rapperin, die sich selbst als queere Rap-Pionierin und politische Aktivistin versteht, hat am 30. Oktober 2026 ihr neues Album „Golden Shower“ veröffentlicht. Es erscheint auf ihrem eigenen Label Lena Stoehrfaktor Records, der Vertrieb läuft über DistroKid, und es ist seitdem auf allen gängigen Streaming-Plattformen zu hören.

Als Fokussingle hat sie den Song „Ohnmacht“ ausgewählt. Er erzählt von dem Gefühl, in einer Welt voller Ungerechtigkeit zu leben, deren schiere Größe einen überfordert. Es ist eine Erfahrung, die viele kennen, die aber selten so direkt in Rap übersetzt wird. „Ohnmacht“ folgt auf die Vorab-Singles „One in a Million“ mit Shanel, „Wedding“ und den Titelsong „Golden Shower“, der bereits im Juni 2026 als erste Auskopplung erschien und von Spoke produziert wurde.

Bestandsaufnahme nach zwei Jahrzehnten

„Golden Shower“ versteht sich als Rückblick und Standortbestimmung zugleich. Auf 13 Tracks bewegt sich Lena Stoehrfaktor zwischen politischer Wut, persönlichen Abgründen, Battle-Rap und Selbstbehauptung. Sie schreibt über Macht und Ohnmacht, über Beziehungen, queeres Leben und die Zumutungen des Alltags, und zwar ohne den Anspruch, irgendjemandem gefallen zu müssen.

Dabei bleibt das Album nicht bei Statements stehen. Zwischen Angriff und Verletzlichkeit, Härte und Selbstironie zeichnet sich ein vielschichtiges Bild der Person hinter dem Mikrofon. Lena Stoehrfaktor gibt zu, dass sie manchmal wackelt, und zielt im nächsten Moment doch wieder auf gesellschaftliche Normen. Ihr Battle-Rap im politischen Sinn tritt nach oben statt nach unten. Er richtet sich gegen Optimierungswahn, Egoismus und glattgebügelte Selbstvermarktung und gegen eine Debattenkultur, in der Empathie auf der Strecke bleibt.

Einzelne Songs setzen dafür klare Akzente. „Sixpacks und Implantate“ mit MC Rene rechnet bissig mit der Kommerzialisierung von Hip-Hop und mit Fake-Empowerment ab, mit einer Kultur also, in der die Oberfläche wichtiger wird als der Inhalt. „Wedding“ ist ein Stück für die lesbische und queere Community und für eine Popkultur, in der Vielfalt nicht erklärt werden muss, sondern selbstverständlich stattfindet.

Klanglich ist das Album bewusst breit angelegt. Verschiedene Beatmaker sorgen für dreckigen Boom Bap, moderne Produktionen und atmosphärische Momente. Auch Anklänge an Hyperpop und Dark Rap sind zu hören. Dazu kommen Gäste aus unterschiedlichen Generationen und Szenen: MC Rene, Finna, AshsForSkit, Shanel und Schlakks.

Tracklist von „Golden Shower“

  • 01. Intro (Skit)
  • 02. Leg mir Handschellen an (Schuldig Remix)
  • 03. Golden Shower
  • 04. One in a Million (feat. Shanel)
  • 05. Sixpacks und Implantate (feat. MC Rene)
  • 06. Shower with Music (Skit)
  • 07. Wedding
  • 08. Kopftritt (feat. Finna)
  • 09. Kein Versuch (feat. AshsForSkit)
  • 10. Zwänge
  • 11. Ohnmacht
  • 12. Komm Klar (feat. Schlakks)
  • 13. Attrappe

Rap als Haltung und Solidarität

Lena Stoehrfaktor ist seit 2004 im Berliner Underground aktiv. Seitdem stand sie auf Bühnen, in Clubs und bei Festivals, nach eigenen Angaben bei weit über 300 Konzerten, und hat zahlreiche Hip-Hop-Workshops gegeben. Mit der Crew Conexion Musical veröffentlichte sie drei gemeinsame Alben, und sie war Mitglied von Outsourced Underground. Ihre Solo-Diskografie reicht von „Die Angst vor den Gedanken verlieren“ (2012) über „Gott im Himmel, Leichen im Keller“ (2016) und „Blei“ (2018) bis zu „Pretty World“, das 2025 gemeinsam mit Blake Beauty erschien. Die Release-Show dazu fand am 30. Januar 2025 im SO36 in Berlin statt und war zugleich die Feier ihres 20-jährigen Rapjubiläums.

Auch abseits der Alben ist sie gut vernetzt. Es gibt Kollaborationen und Singles wie „Lesbisch aus Prinzip“ mit LILA SOVIA, „Alles auf einmal“ mit ASI-ES, „Randmenschen“ mit QUASI und Robochop sowie „Schuldig“ und „Rauch in der Luft“ mit Blake Beauty. Rap ist für sie dabei mehr als Handwerk. Er ist Haltung, Waffe und Ausdruck von Solidarität, und er bietet die Möglichkeit, sich den eigenen Raum zu nehmen. Mit „Golden Shower“ zeigt sie sich dabei persönlicher als zuvor, ohne ihre Kantigkeit abzulegen.

Cover
Lena Stoehrfaktor
Golden Shower
*

Genres

  • Politischer Hip-Hop
  • Boom Bap
  • Deutschrap
  • Hip-Hop / Rap