Der glitzernde Lidschatten ist das einzige was vom Großstadt-Traum der letzten Nacht zeugt – „Wie
das die Erwachsenen angeblich nachts so machen“ – Was viel mehr bleibt, ist der verschmierte
Kajal, die abgekratzten Fingernägel und das dumpfe Gefühl von einem weiterem enttäuschenden
Abend an dem das Erwachsen-Sein-Cosplay wieder einmal missglückt ist.
Mit Schleife im Haar und dreckigem Rüschensaumen betritt Tabea die deutsche Musikszene. Ihr
Message: Sie will denen, die sich nie zugehörig gefühlt haben einen Safe Space geben. Eine
Hommage an diejenigen, die früh lernen mussten erwachsen zu werden und dennoch ihre die
Omnipräsenz an jugendlichen Emotionen gerecht werden wollen.
Bittersüß schmeckt das Leben Anfang 20. Genau dann wenn die eigene Biografie so richtig
beginnen sollte, sieht man sich selbst konfrontiert mit der Schwere des Lebens. Und statt
aufregenden Partys bleiben doch eher die nachdenklichen Uber-Fahrten nach Hause im Kopf.
Tabeas Welt ist schrecklich schön, Yves Sant Laurent auf der einen Seite, die Tauben am Kotti, als
Sinnbild für ein taubes Herz auf der anderen. Die Kluft zwischen schön und schrecklich ist das, was
ihre Musik so interessant macht.
Nicht nur ihre Ästhetik zeugt von Ambivalenz und Kontrasten, auch ihre Musik bringt Welten
zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kraftvolle Bässe treffen auch eine zarte
Stimme, die auf noch zerbrechlichere Lyrics treffen. Doch wenn man genauer hinsieht verbirgt sich
in den düsteren Zeilen immer ein kleiner Hoffnungsschimmer. Vielleicht, weil die Musikerin jeder
ihrer Texte mehr oder weniger genau so erlebt hat. Der autobiografische Charakter ihrer Songs gibt
den Hörer:innen ein sofortiges Gefühl von Geborgenheit. Ein Anliegen, welches Tabea in ihrem
Künstlerin-Dasein sehr wichtig ist. So schafft die Musikerin ein Zufluchtsort an dem alles erlaubt
ist. Hier bekommen Selbstzweifel oder Depressionen Platz um gefühlt zu werden, doch werden
auch durch Tabeas Musik sanft zugedeckt, sodass die Hoffnung erwecken darf.
Und so wird jeder neuer Song von Tabea zu einer weiteren Seite in einem zerknickten, aber mit
Glitzersteinen besetzen Tagebuch. Mit Kritzeleien aus dem Altag, entsteht jeder Eintrag voller
Komplexität, ein wenig Wehmut über das, was hätte sein können und Tagträumerei über das was
noch kommt.

