Rebecca Thomalla alias BECKS hat aufgehört, sich Gedanken über das Gerede anderer Leute zu machen. Zu lange hat die 23-Jährige darunter gelitten, vermeintlich anders als die Norm zu sein. Bis sie genau diese vermeintliche Andersartigkeit nahm – und zu ihrer stärksten Waffe machte.

BECKS‘ Weg zur Selbstfindung führt über TikTok: Anfang 2020 beginnt sie, auf der Video-Plattform Acting- und Lipsync-Performances zu posten. Immer stärker wird vonseiten ihrer Community der Wunsch laut, auch eigene Musik zu posten. Eines Nachts – wie so oft kann sie nicht schlafen und wälzt Gedanken in ihrem Kopf – schreibt sie einen Song namens „Chemie“. Kurzentschlossen entscheidet sie sich, ein Snippet bei TikTok hochzuladen, was in doppelter Hinsicht ein großer Schritt ist. Denn erstens traut sie sich nach Jahren des Songwritings im stillen Kämmerlein erstmals, ihre Musik öffentlich zu teilen – und zweitens ist der Song gleichbedeutend mit ihrem Coming-out. „Was ist so falsch dran, dass ich ‘ne Frau liebe anstatt ‘nen Mann / Tu ich dir weh damit, wenn du wüsstest, wie oft ich schon deswegen litt“ – in „Chemie“ schildert BECKS ihren teils schmerzhaften Weg der Selbstfindung. Und sie tut es auf bestechend gute Weise: Die Stimme – unglaublich lässig, fast gelangweilt. Der Beat – staubtrocken, funky. Dazu Lyrics, die das Gegenteil von staubtrocken und lässig-gelangweilt sind, sondern auf entwaffnend ehrliche Weise BECKS‘ autobiografische Erfahrung verarbeiten.

 

Wie vielen Menschen sie damit aus der Seele singt, zeigen die Reaktionen im Netz: Gleich das erste Snippet zu „Chemie“ geht mit über 9.000 Creations viral. „Bevor ich geoutet war, wusste ich nie genau: wieso, weshalb, warum?“, berichtet sie. „Warum ich? Warum fühle ich mich zu Frauen hinzugezogen und nicht wer anderes? Ich habe sehr darunter gelitten, was viel damit zu tun hat, dass ich in einer Kleinstadt aufgewachsen bin, wo jeder über jeden redet“. Inzwischen ist BECKS von Düren nach Berlin gezogen, wo sie sich rundum akzeptiert fühlt. Und auch sonst ist sie ganz bei sich angekommen: „Es interessiert mich nicht mehr, was andere denken. Ich probiere jeden Tag etwas Neues aus, auch mit meinem Aussehen. Ich habe ja eigentlich kurze Haare und ziehe mich meistens maskulin an, einfach weil es mir gefällt. Manchmal habe ich aber auch Tage, da ziehe ich mir eine Perücke und ein Kleid an“, so BECKS. „Ich bin so, wie ich bin. Daran kann ich nichts ändern und ich finde es wichtig, dass jede:r das so leben kann.“

Es sind Äußerungen wie diese, die BECKS zu einer Vorreiterin für die Themen Gender Identity, LGBTQ+ und queere Selbstbestimmtheit machen. Sie ist ein Sprachrohr für ihre Generation, die mit Optimismus die Themen in die Welt trägt. BECKS ist sich der Verantwortung bewusst, die mit der Rolle einhergeht – und sie nimmt sie an: „Ich erhalte täglich Nachrichten von Leuten, die mir schreiben: ‚Mir ging es nicht so gut, dann habe ich deine Videos gekuckt und danach ging es mir viel besser‘, oder: ‚Als du live warst, hast du mich komplett abgelenkt von dem, was bei mir passiert‘. In solchen Momenten denke ich: Ja, es ist die richtige Entscheidung, das zu machen, was ich für richtig halte.“

 

 

Eine absolut richtige Entscheidung war es auch, mit ihrer Musik an die Öffentlichkeit zu gehen. Der deutsche Produzent BLVTH (Kummer, Casper, Marteria) wurde ebenfalls auf BECKS aufmerksam und hat mit ihr gemeinsam ihren Sound entwickelt und vervollständigt. Er ist low-key und cool, was einerseits zu BECKS‘ Attitüde passt, andererseits viel Raum für ihre ausdrucksstarken Texte lässt. In den Kommentarspalten der sozialen Medien fällt dabei immer wieder ein Vergleich: „Die deutsche Billie Eilish“. Das ehrt BECKS, zumal sie seit Anbeginn Fan der Sängerin ist, zugleich „gibt es nicht das eine Vorbild, an dem ich mich orientieren würde“, wie sie betont. Ebenso ist sie von Lady Gaga oder James Arthurs Stimme inspiriert. „Ich singe gern Balladen, ich singe gern Pop. Ich singe gern lässig, wenn es zum Song passt, ebenso jedoch kann ich sehr kraftvoll und hoch singen. Ich mag starke Lyrics und habe das Gefühl, mit Musik Dinge ausdrücken zu können, die sonst vielleicht unausgesprochen bleiben würden. Genauso will ich aber auch Sachen machen, die einfach nur zum Viben sind. Ich habe noch sehr viel vor.“

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