Robert «Bobby» Hutcherson (* 27.01.1941 in Los Angeles, Cal./USA) ist ein US-Amerikanischer Jazz-Vibraphonist, Xylophon- und Marimbaspieler.

Bobby lernte mit 9 Jahren Klavierspielen und wechselte mit 15, als er eine Platte The Giants of Jazz von Milt Jackson, der dort zusammen mit Miles Davis und Thelonius Monk spielte, hörte, zum Vibraphon. Mit 21 spielte er gemeinsam mit Don Cherry und Charles Lloyd und nahm seine erste Platte unter Curtis Amy auf. Er nahm ebenso mit Les McCann auf. Dann gehörte er zum Al Grey/Billy Mitchell Sextett und tourte durch die USA. Als sie im Birdland in New York spielten, blieb er dort. Er packte sein Vibraphon in den Kofferraum seines Taxis, damit er, falls sich die Gelegenheit ergab, bei anderen Jazzmusikern mitspielen konnte. Die Gelegenheit ergab sich. Er nahm für Blue Note Records auf: Die ersten Platten mit Joe Henderson, mit Andrew Hill, Eric Dolphy und Archie Shepp.

Zu derselben Zeit nahm er auch mit Dexter Gordon und Grant Green mehrere Alben auf, die sich mehr dem Mainstream (bekannte Stücke, Balladen, Musik wie von einem Jazzquartett erwartet) widmeten.

Darauf folgten vermehrt eigene Aufnahmen mit bekannten Sidemen. Auf Solo Quartett spielt er auf der A-Seite mit sich selber, und zwar Vibraphon, Xylophon, Marimba (ein Xylophon mit Klangkörpern), Bassmarimba, Glockenspiel, Glocken und Boo-bam. (Kurz vorher hatte er sich fast mit der Motorsäge den Zeigefinger abgesägt, und sich in der Rekonvaleszenz der Besinnung gewidmet) Im allgemeinen spielt er mindestens zwei Instrumente (fast) gleichzeitig, Vibraphon und Marimba.

Hutcherson und Tyner traten in Deutschland 2002 auf dem Jazz Baltica-Festival auf (Charnett Moffet (b), Eric Harland (d)). Außerdem trat er auch gemeinsam mit Herbie Hancock auf dem Traumzeitfestival in Duisburg auf.

Stil

 

Seine frühen Platten zeigen ihn in der Nähe des Free Jazz und für ungeübte Jazzhörer sind die meisten dieser Platten anstrengend zu hören. Das ist insofern erstaunlich, weil sein Spiel klar und präzise ist, nicht wild und experimentell oder gar “revolutionär”. Trotzdem gilt er als Wegbereiter für ein moderes Vibraphonspiel im Jazz.
Ein Liner-Notes-Schreiber meinte, “es falle schwer Hutcherson nicht als den größten neuen Vibraphonisten seit Milt Jackson” zu bezeichnen.

Hutcherson zeichnet sich durch einige Eigenarten in seinem Vibraphonspiel aus: Er spielt das Vibraphon wie ein Xylophon. Er benutzt kaum das Pedal, also spielt er keine langanhaltenden Klänge (einzelne Töne schon), vor allem keine gebrochenen (arpeggierten) Akkorde, wie es eigentlich jeder andere Vibraphonist macht. Sein Töne “klingeln” ein wenig wie ein Glockenspiel. Er spielt außerdem ohne jegliches Vibrato, obwohl es sich anbietet, da es im Vibraphon eingebaut ist. Als Begleiter, mit vier Schlegeln, wird sein offener Klang von Solisten, im Gegensatz zum Klavier, geschätzt. Ein begleitendes Klavier determiniert und dominiert oft den Solisten, Hutchersons Vibraphonbegleitung ermöglicht dem Solisten mehr Platz, eigene Ideen zu entfalten.

Verschiedene Aufnahmen mit McCoy Tyner zeigen seine im Nach-Swing verwurzelte Präzision. Mit Land of Giants liegt eine aktuelle Version dieser schönen Zusammenarbeit vor.

Klanglich hat sein Stil starke Ähnlichkeit mit dem des Hard Bop. Er spielt auch viel mit Musikern aus dieser Richtung z. B. Jackie McLean oder Herbie Hancock. Sein frühe Zusammenarbeit mit Hancock ist oft experimentell (“abstrakt”). Leider gibt es kaum späte Aufnahmen. Ein sehr schönes Beispiel ist das Stück Minuit Aux Champs-Elysées auf dem Soundtrack Round Midnight, zum gleichnamigen Film von Bertrand Tavernier mit dem tollen Dexter Gordon. Das spätere Zusammenspiel der beiden zeigt stets diese schöne Harmonie.

Hutcherson ist fest in der afroamerikanischen Musik verwurzelt und doch ist sein Klang ein originär afrikanischer, nicht im ursprünglichen Sinn, sondern eher entgegenkommend, denn er wird den afrikanischen Ursprüngen gerecht.

 

Konzerte

Bobby Hutcherson ist in letzter Zeit wieder vermehrt international tätig. Er war dieses Jahr 2007 vom 27.6 bis 1.7 Artist in Residence, zusammen mit Dave Douglas und Joe Locke, des Jazz Baltica Festivals.

Diskografie

* Dialogue (2003)
* Skyline (1999)
* Little B's Poem (1999)
* The Kicker (1999)
* Acoustic Masters II (1993)
* Landmarks (1992)
* Mirage (1991)
* Ambos Mundos (1989)
* Cruisin' the Bird (1988)
* Essence: The Timeless All-Stars (1986)
* In the Vanguard, 32 Jazz (1986), live, symbiotisches Zusammenspiel mit Kenny Barron (p)
* Color Schemes (1985), mit Mulgrew Miller (p)
* It Ain't Easy (1985)
* Good Bait (1984)
* Vibe Wise, 32 Jazz, entspricht Good Bait und Color Schemes
* Four Seasons (1983)
* Farewell Keystone (1982)
* Solo/Quartet (1981), Seite 2 mit McCoy Tyner (p)
* Un Poco Loco (1979)
* Conception: The Gift of Love (1979)
* Highway One (1978)
* Knucklebean (1977)
* Dance of the Sun (1977)
* The View from the Inside (1976)
* Waiting (1976)
* Montara (1975)
* Inner Glow (1975)
* Linger Lane (1974)
* Cirrus (1974)
* Live at Montreux (1973)
* Natural Illusions (1972)
* Head On (1971)
* San Francisco (1970)
* Now! (1969)
* Medina (1969)
* Now! [Bonus Tracks] (1969)
* Blow Up (1969)
* Patterns (1968)
* Total Eclipse (1968)
* Oblique (1967)
* Happenings (1966)
* Stick-Up! (1966)
* Dialogue [Bonus Track] (1965)
* Spiral (1965)
* Dialogue (1965)
* Components (1965)

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