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Bob Sinclar überführt Manu Dibangos Afro-Funk-Klassiker „Soul Makossa“ in eine House-Produktion und verneigt sich vor dem 2020 verstorbenen Kameruner, dessen unverkennbare Hook weltweit nachhallt.

Mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Entstehung bekommt einer der prägendsten Songs der afrikanischen Popgeschichte ein neues Gewand: Der französische DJ und Produzent Bob Sinclar hat Manu Dibangos „Soul Makossa“ neu interpretiert. Seine Version überträgt den Afro-Funk des Originals in eine zeitgemäße House-Produktion und versteht sich ausdrücklich als Hommage an den 2020 verstorbenen kamerunischen Saxofonisten.

Ein Klassiker mit ungewöhnlicher Vorgeschichte

Manu Dibango veröffentlichte „Soul Makossa“ 1972 als Single. Ursprünglich war der Song allerdings nur die B-Seite: Auf der A-Seite erschien die „Hymne de la 8e Coupe d’Afrique des Nations“, die den Einzug der kamerunischen Fußballnationalmannschaft ins Viertelfinale des Afrika-Cups feierte. Der Text der B-Seite ist, bis auf einige englische Wörter, auf Duala verfasst, einer in Kamerun gesprochenen Sprache.

Aus dieser Randnotiz wurde Musikgeschichte. Besonders die markante Hook „ma-ma-ko, ma-ma-sa, mako-mako-sa“ avancierte zu einem der bekanntesten Refrains der Popmusik. Sie tauchte später unter anderem in Michael Jacksons „Wanna Be Startin’ Somethin’“ und in Rihannas „Don’t Stop The Music“ wieder auf. Laut Wikipedia gilt „Soul Makossa“ als der am häufigsten gesampelte afrikanische Song überhaupt – ein Hinweis darauf, wie weit Dibangos Einfluss über die afrikanische Musikszene hinausreicht.

Sound und Produktion: Saxofon, Percussion und House-Groove

Sinclars Neuinterpretation setzt auf die Elemente, die das Original unverwechselbar machen: den charakteristischen Saxofon-Sound, die treibenden Percussions und den Groove, der Funk und afrikanische Rhythmik verbindet. Über dieses Fundament legt er eine moderne House-Produktion, die den Track klar auf den Club ausrichtet. Statt das Original zu überschreiben, arbeitet die Produktion mit dessen Material und übersetzt es in die Formensprache des Dancefloors.

Sinclars Verbindung zur afrikanischen Musik

Dass gerade Bob Sinclar sich dieses Songs annimmt, ist keine Überraschung. Seine Leidenschaft für afrikanische Musik prägte bereits sein Projekt Africanism, zu dem mehrere Compilations gehören, darunter „Africanism, Vol. 1“ (2001) und „Vol. II“ (2004). In diesem Rahmen produzieren verschiedene Künstler House mit lateinamerikanischen, jazzigen und afrikanischen Einflüssen. Die Neuauflage von „Soul Makossa“ fügt sich damit nahtlos in eine künstlerische Linie, die er seit über zwei Jahrzehnten verfolgt.

Zur Person: Vom Hip-Hop-Produzenten zum Hitlieferanten

Bob Sinclar heißt bürgerlich Christophe Le Friant; seinen Künstlernamen entlehnte er einer Figur aus Philippe de Brocas Film „Le Magnifique“. In den 1980er-Jahren war er zunächst als „Chris the French Kiss“ aktiv und produzierte Hip-Hop- und Acid-Jazz-Projekte wie The Mighty Bop und Réminiscence Quartet. 1993 gründete er gemeinsam mit Alain Ho das Label Yellow Productions, das er bis heute leitet.

Den internationalen Durchbruch brachte „Love Generation“ (2005, feat. Gary Pine), das laut Last.fm 2006 die deutschen Media-Control-Charts und die australischen ARIA-Charts anführte. Der Song lief zudem als offizieller Titel zum FIFA-Maskottchen Goleo VI und wurde beim WM-Finale 2006 im Berliner Olympiastadion gespielt. Im selben Jahr erhielt Sinclar eine Grammy-Nominierung für „World, Hold On (Children of the Sky)“ mit Steve Edwards. Später folgten Gold-Hits wie „Feel the Vibe“ und „I Believe“.

Einordnung

„Soul Makossa“ in einer House-Fassung ist ein naheliegender Schritt: Der Song war von Beginn an tanzbar und wurde schon unzählige Male zitiert. Sinclars Version knüpft an diese Tradition an, rückt aber das Original und seinen Urheber wieder in den Mittelpunkt. Damit verbindet sie Hommage und Dancefloor-Tauglichkeit und bringt den Klassiker einem Club-Publikum nahe, das Dibangos Werk womöglich vor allem über Samples kennt.

Genres

  • House
  • Dance
  • Funk