Ella Jane Fitzgerald (* 25. April 1917 in Newport News, Virginia; † 15. Juni 1996 in Beverly Hills, Kalifornien) war eine US-amerikanische Jazz-Sängerin.

Ella Fitzgerald

Ihre Größe war, natürlich, ihr Gesang, war der sichere, vergnügte, leidenschaftliche Gebrauch ihrer Stimme. Dieses Espressivo, das die ganze Person erfaßte! Diese musikalische Fertigkeit, die ihr all die kleinen Eigenwilligkeiten des Gesanges erlaubte! Diese Geistesgegenwart bei ihren herzhaften, oft überraschenden Improvisationen – und diese reichhaltige Skala ihres Ausdrucks!

Schon übergeht man, daß ihre schöne, volle, helle Stimme über nahezu drei Oktaven reichte. Die klang in den oberen Lagen naiv, fröhlich, auch ein wenig kindlich, in den mittleren warm und kräftig, in der Tiefe war sie rund und sanft, samten. Ella Fitzgerald konnte bärbeißig krächzen, konnte kichern und kieksen, gackern, krähen und plappern; mitunter entrangen sich ihr wunderbare Schreie. Sie hatte ein angenehmes, unaufgeregtes, sparsam verwendetes Vibrato.

Wen wundert es, daß alles dies sich am übermütigsten im Scat entfaltete, im Gesang originell klingender, sinnloser Silben und Vokale, dem dann auch der Wechsel vom kommerziell ausgelaugten Swing zum emanzipierten, freier improvisierenden “modernen” Bebop-Jazz zugute kam. Nein, erfunden hatte sie den Scat nicht, aber sie hat ihn, spontan, schon früh für sich gefunden, und niemand hat ihn je so einfallsreich, so gewandt und so keß jubilieren lassen wie sie – nicht zuletzt deswegen, weil sie so virtuos sang. Diese Oktavsprünge! Diese spannungsreichen, schwingenden Melismen! Diese gehauchten Glissandi und die manchmal bewußt ein wenig zu spät oder zu früh (und überaus sicher) intonierten Töne! Wie könnte man es da unterlassen, von ihrer Natürlichkeit, ihrem Esprit zu sprechen.

Ella Fitzgeralds Karriere hatte, wie so oft in diesem Metier, etwas Märchenhaftes: der Vater kurz nach ihrer Geburt auf und davon, die Mutter lieb, das Leben ärmlich, mit knapp sechzehn beim Talentwettbewerb in Harlem, rasch ein erster Preis, bald viele erste Preise und endlich, endlich aufgenommen in das Orchester des Schlagzeugers Chick Webb. Schon kamen die erste Schallplatte, der erste Hit, “Mr. Paganini”. Da war das 1918 geborene, sich zeitlebens immer ein wenig mißtrauende Mädchen gerade siebzehn Jahre alt.

 

Und dann ging es nur noch und sehr schnell aufwärts in den Weltruhm. Sie musizierte mit so gut wie allen Meistern des Jazz, in allen Formationen, mit Big Bands (Count Basie, Duke Ellington), mit Trios (Tommy Flanagan, Oscar Peterson), im Duo (mit dem Gitarristen Joe Pass), und bald zählte sie zu den Stammgästen in Norman Granz' Konzertreihe “Jazz At The Philharmonic”, die sie in die weite Welt trug. Sie war große Stimme und eine leise Kammersängerin und beides mit der gleichen Intensität, der gleichen Ausgelassenheit, dem gleichen Vergnügen, der gleichen Distinktion. Nicht zuletzt erfüllte sie (in ihren “Song Books”) Pflichten als Interpretin aller Meister der Unterhaltungsmusik: Irving Berlin, George Gershwin, Jerome Kern, Cole Porter. (9541 byte)

Plattencover Ella Fitzgerald – Best of the Songbooks

Sie fürchtete schlechte Kritiken und trug schwer daran; sie freute sich über ein enthusiasmiertes Publikum und plauderte mit ihm. Sie war eine stattliche Frau mit ladyhaften und noch im Alter auch mit mädchenhaften Zügen; sie hatte ein schönes Gesicht, darin helle, warme Augen. Einmal mußte sie um ihr Augenlicht fürchten; es blieb gottlob bei einer Brille. 1993 jedoch mußten der Zuckerkranken beide Beine amputiert werden.

Doch, doch, sie war die größte in ihrem Metier. Wie schön, daß ihr Gesang bei uns auf Erden bleibt.

Ella Fitzgerald wuchs in Yonkers in der Nähe von New York auf und war seit ihrem vierzehnten Lebensjahr als Vollwaise auf sich allein gestellt. Ihr Debüt als Sängerin gab sie mit siebzehn im legendären Apollo Theater in Harlem; das Apollo Theater veranstaltete regelmäßige Amateurwettbewerbe, von denen sie einen gewann. Ursprünglich wollte sie bei diesem Talentwettbewerb als Tänzerin antreten; als der Moment des Auftritts gekommen war, zitterten ihr jedoch vor Aufregung so die Beine, dass sie stattdessen ein Lied sang. Fitzgerald wurde daraufhin 1935 von Chick Webb in seine Big Band engagiert. 1936 nahmen sie mit Love and Kisses eine erste Platte auf; 1938 hatten sie einen Nummer-Eins-Hit: Das fröhliche A Tisket A Tasket – eigentlich ein Kinderlied – machte sie mit Chick Webb zum Star. Ein weiterer Nummer-Eins-Hit gelang ihr mit Into Each Life Some Rain Must Fall im Jahre 1944. Fitzgerald konnte sich sowohl in den Pop-, als auch in R&B- und Country-Charts der USA platzieren.

 

Als Chick Webb 1939 starb, übernahm sie zunächst die Band, die nun unter dem Namen Ella Fitzgerald and Her Famous Orchestra auftrat. Da Ella Fitzgerald aber keine Noten lesen konnte, taugte sie nicht als Bandleaderin. So begann sie 1941 ihre Solokarriere und entwickelte sich zu einer der größten Jazzsängerinnen. 1946 tourte sie mit Dizzy Gillespie und trat in der Jazz at the Philharmonic-Konzertreihe von Norman Granz auf, der sie auch in dem Musikfilm Improvisation (1950) mitwirken ließ. Nach einem Auftritt im Film Pete Kelly’s Blues 1955 ging sie zu Verve Records. Ihr Repertoire reichte von Swing über Bebop, Blues, Bossa Nova, Samba, Gospel und Hip-Hop bis zu verjazzten Weihnachtsliedern. Oft wurde sie die First Lady of Song genannt. Ihr Markenzeichen war eine Gesangsart, die sie mitentwickelte und der sie zu Weltruhm verhalf: der Scatgesang. Charakteristisch ist der jugendliche Charme ihrer Stimme und ihre bis heute unübertroffene Leichtigkeit der Phrasierung, welche es ihr erlaubte, mit einem beachtlichen Stimmumfang von drei Oktaven wie ein Jazz-Instrumentalist zu improvisieren.

Zu Fitzgeralds herausragenden Schallplatteneinspielungen zählen ihre Songbooks der wichtigsten amerikanischen Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denen sie damit Denkmäler setzte und allen nachfolgenden Sängerinnen Lehrbücher für die perfekte Interpretation der jeweiligen Songs gab.

Im Folgenden eine Auflistung ihrer klassischen Songbooks für das Label Verve und die dazugehörigen Arrangeure:

1956 – Ella Fitzgerald Sings the Cole Porter Songbook (Buddy Bregman)
1956 – Ella Fitzgerald Sings the Rodgers & Hart Songbook (Bregman)
1957 – Ella Fitzgerald Sings the Duke Ellington Songbook (Duke Ellington & Billy Strayhorn)
1958 – Ella Fitzgerald Sings the Irving Berlin Songbook (Paul Weston)
1959 – Ella Fitzgerald Sings the George and Ira Gershwin Songbook (Nelson Riddle)
1961 – Ella Fitzgerald Sings the Harold Arlen Songbook (Billy May)
1963 – Ella Fitzgerald Sings the Jerome Kern Songbook (Riddle)
1964 – Ella Fitzgerald Sings the Johnny Mercer Songbook (Riddle)

Für andere Plattenfirmen nahm sie später ebenfalls Songbooks auf, unter anderem erneut mit Liedern der Gebrüder Gershwin sowie Cole Porter und Antônio Carlos Jobim. Kolleginnen wie Sarah Vaughan oder Dinah Washington folgtem ihrem Beispiel und nahmen ebenfalls Songbooks auf. Eine weitere bedeutende Einspielung Fitzgeralds gibt es von Gershwins Oper Porgy and Bess, die sie gemeinsam mit Louis Armstrong aufnahm. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Live-Einspielungen der Konzerte von Fitzgerald, die zeigen, dass es keinen Unterschied zwischen einem Studio- oder Livegig bei ihr gab. Die einzigen qualitativen Unterschiede bestehen bei der Aufnahmetechnik. Sie gewann insgesamt 13 Grammys; 1987 wurde sie mit der National Medal of Arts ausgezeichnet.

Sie litt lange Jahre an Diabetes, der gegen Ende ihres Lebens zur Erblindung führte. Eine weitere Folge der Krankheit war die Amputation beider Unterschenkel im Jahre 1993. Drei Jahre später verstarb sie als eine der wichtigsten Jazzsängerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie liegt auf dem Inglewood Park Cemetery in Inglewood bei Los Angeles begraben.

Fitzgerald war mindestens zweimal verheiratet. Ihre erste Ehe schloss sie 1939 – andere Quellen sprechen von 1941 – mit dem Hafenarbeiter Benjamin „Benny“ Kornegay, der ihr und ihrer Band als eine Art männlicher Groupie auf Schritt und Tritt folgte. Als sie nach kurzer Ehe von kriminellen Verwicklungen ihres Mannes erfuhr, ließ sie die Ehe annullieren. Ihr zweiter Ehemann war von 1946 bis 1952 – andere Quellen nennen wiederum abweichende Daten, wie z. B. 1947–1953 oder 10. Dezember 1947 – 1952 – der Bassist Ray Brown, mit dem sie ein Kind, Ray Brown jr., adoptierte. 1957 kursierten Berichte in der skandinavischen Presse, sie habe den jungen Norweger Thor Einar Larsen heimlich geheiratet.

Diskografie (Auswahl)

1938 – A-Tisket, A-Tasket (erster Single-Hiterfolg mit Chick Webb)
1944 – I’m Making Believe (Nummer-eins-Hit mit The Ink Spots)
1950 – Ella Sings Gershwin
1954 – Lullabies of Birdland
1954 – Songs in a Mellow Mood
1955 – Songs from “Pete Kelly’s Blues”
1955 – The First Lady Of Song (Decca)
1956 – Sings the Cole Porter Songbook Vol. 1 und Vol. 2
1956 – Ella and Louis
1956 – Sings the Rodgers and Hart Songbook
1957 – Ella and Louis Again
1957 – Sings the Duke Ellington Songbook
1957 – Ella Fitzgerald at the Opera House
1957 – Like Someone in Love
1957 – Porgy and Bess
1958 – Ella Fitzgerald and Billie Holiday at Newport
1958 – Ella Swings Lightly
1958 – Ella Fitzgerald Sings the Irving Berlin Songbook
1959 – Sings the George and Ira Gershwin Song Book
1960 – Ella Fitzgerald sings Songs from the Soundtrack of Let No Man Write My Epitaph
1960 – Ella in Berlin: Mack The Knife
1960 – Ella Wishes You a Swinging Christmas
1961 – Ella Fitzgerald Sings the Harold Arlen Songbook
1961 – Clap Hands, Here Comes Charlie (Verve)
1962 – Ella Swings brightly with Nelson
1962 – Ella Swings gently with Nelson
1963 – Ella Sings Broadway
1963 – Ella Fitzgerald Sings the Jerome Kern Songbook
1963 – On the Sunny Side of the Street – Ella and Basie
1963 – These Are the Blues (Verve)
1964 – Hello, Dolly! (Verve)
1964 – Ella Fitzgerald Sings the Johnny Mercer Songbook
1965 – Ella at Duke’s Place
1965 – Ella in Hamburg (Verve)
1967 – Whisper Not
1967 – Brighten the Corner (Capitol Records)
1967 – Ella Fitzgerald’s Christmas (Capitol Records)
1968 – 30 by Ella (Capitol Records)
1968 – Misty Blue (Capitol Records)
1969 – Sunshine of Your Love (Capitol Records)
1969 – Ella (Reprise Records)
1970 – Things Ain’t What They Used to Be (And You Better Believe It) (Reprise Records)
1971 – Ella A Nice (Pablo)
1972 – Ella Loves Cole (Atlantic Records)
1973 – Newport Jazz Festival: Live at Carnegie Hall (Columbia Records)
1973 – Take Love Easy (Pablo)
1974 – Fine And Mellow (Pablo)
1974 – Ella in London (Pablo)
1974 – Ella and Oscar (Pablo)
1975 – At the Montreux Festival (Pablo)
1977 – With The Tommy Flanagan Trio, Montreux '77 (Pablo)
1978 – Dream Dancing
1980 – Ella Abraça Jobim | Ella Fitzgerald Sings the Antonio Carlos Jobim Songbook
1990 – All That Jazz

Sammlungen

 

The Complete Chick Webb & Ella Fitzgerald Decca Sessions (1934-1941) – (Mosaic Records – 2013) – 8
CDs mit Ward Pinkett, Hilton Jefferson, Louis Jordan, Don Kirkpatrick, Elmer James, Louis Bacon, Jimmy
Harrison, Benny Carter, Mario Bauza, Bobby Stark, Taft Jordan, Claude Jones, Sandy Williams, Edgar
Sampson, Wayman Carver, Joe Steele, John Kirby, Fernando Arbello, Teddy McRae, Bernard Addison,
Mills Brothers, Garvin Bushell, George Matthews, Dick Vance, Bill Beason, Eddie Barefield, Ram Ramirez,
Ulysses Livingston, Kenny Clarke

Film und Fernsehen

Ihren wohl größten Filmauftritt hatte Fitzgerald 1955 in Jack Webbs Jazz-Film Pete Kelly’s Blues. Die
Nebenrollen des Films waren mit Janet Leigh und der Sängerin Peggy Lee besetzt. Obwohl sie bereits
zuvor eine kleine Rolle in einem Film hatte (Helden im Sattel, 1942), war sie darüber begeistert, dass
Norman Granz ihr die Rolle anbot. Nach Pete Kelly’s Blues war sie nur noch in Cameo-Auftritten zu
sehen. So zum Beispiel in St. Louis Blues (1958) mit Nat King Cole oder Let No Man Write My Epitaph
(1960). Um einiges später, in den 1980er Jahren, spielte sie in dem Fernsehdrama The White Shadow.

In der Fernsehwerbung trat sie für Kentucky Fried Chicken und den Musikkassetten-Hersteller Memorex
auf.

Filmografie

1942: Helden im Sattel (Ride ’Em Cowboy)
1950: Improvisation (Kurzfilm)
1952: All Star Summer Revue (Fernsehserie, Folge 1.8)
1955: Es geschah in einer Nacht (Pete Kelly’s Blues)
1958: St. Louis Blues
1960: Die Saat bricht auf (Let No Man Write My Epitaph)
1966: All My Life (Kurzfilm)
1980: The White Shadow (Fernsehserie, Folge A Day in the Life)

Rezeption

Die Version 2.1 „Ella“ der beliebten Blogsoftware WordPress ist Ella Fitzgerald gewidmet.
Das Lied Ella, elle l’a von France Gall (im Jahr 1988 auf Platz 1 der deutschen Hitparade) ist eine
Hommage an Ella Fitzgerald.
Ella Fitzgerald und andere berühmte Musiker wurden in dem Song Back In The Day von Christina Aguilera
verewigt.
Into each life some rain must fall, das Ella Fitzgerald mit den Ink Spots aufnahm, wird im Videospiel
Fallout 3 von der fiktiven Radiostation ’Galaxy News Radio’ gespielt.

Literatur

Rainer Nolden: Ella Fitzgerald: ihr Leben, ihre Musik, ihre Schallplatten. Oreos, Gauting 1986, ISBN
3-923657-15-3.
Stuart Nicholson: Ella – die Stimme des Jazz. Bertelsmann, München 1993, ISBN 3-570-02340-0.
Jim Haskins: Ella Fitzgerald – First Lady Of Jazz. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07545-5.
Leslie Gourse The Ella Fitzgerald Companion: Seven Decades of Commentary. Schirmer, New York 2000,
ISBN 978-0-8256-7179-1.

Einzelnachweise

In älteren Enzyklopädien wird 1918 angegeben. Das Geburtsjahr 1917 wird hier nach den Forschungen
von Stuart Nicholson zu seiner Biographie Ella Fitzgerald- The First Lady of Jazz, Scribners 1993
verwendet.
Auch einige andere Jazzsängerinnen wie Sarah Vaughan sind bei solchen Wettbewerben entdeckt
worden.
Steve Hawtin u. a.: Songs from the Year 1938; The World’s Music Charts auf tsort.info; abgerufen am 17.
August 2014
Gary Giddins: Visions of Jazz: The First Century. Oxford University Press 200, ISBN 978-0-19-513241-0, S.
142 (eingeschränkte Online-Version in der Google-Buchsuche-USA)
The Estate of Ella Fitzgerald: Fast Facts.
imdb.com: Biography for Ella Fitzgerald.
The Biography Channel website (A&E Television Networks): Notable Biography Ella Fitzgerald
Ella Fitzgerald, the Voice of Jazz, Dies at 79; Meldung in der New York Times vom 16. Juni 1996.

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