Am vergangenen Freitag war es endlich soweit: Der talentierte Kölner Künstler JASCHA veröffentlichte sein mit Spannung erwartetes erstes Mixtape „Chlodwigplatz“. Benannt nach dem pulsierenden Herzen der Kölner Südstadt, vereint JASCHA auf diesem Debütprojekt virtuos seine vielfältigen Talente als Rapper, Sänger, Songwriter und Produzent. Das Ergebnis ist ein schonungslos nahbarer und tiefgründiger Einblick in sein Innerstes, seine Vergangenheit und die Prägung durch seine Heimatstadt.
Der Chlodwigplatz ist nicht nur das geografische Zentrum der Kölner Südstadt, sondern für immer auch ein emotionaler Anker in der Brust von JASCHA – dem Mittzwanziger, der inzwischen in Berlin lebt, aber dessen Wurzeln tief in der Domstadt verankert sind. Hier, an diesem symbolträchtigen Ort, ist JASCHA erwachsen geworden; hier schlich er „frei wie ein Vogel“ über Häuserdächer, ein Ausdruck seines frühen Freiheitsdrangs. Hier erlebte JASCHA seine erste Liebe und hier fand eine langjährige Beziehung ihr schmerzhaftes Ende. Hier ritzte er seinen Namen in öffentliche Bänke, als Ausdruck jugendlicher Rebellion und Präsenz. Und hier fand er zu jenem klaren, straighten künstlerischen Ausdruck, der seine Musik bis zum heutigen Tag unverwechselbar prägt. Es ist daher nur konsequent, dass JASCHA das erste große Projekt seiner Musikerkarriere „Chlodwigplatz“ getauft hat – und das, obwohl sein am 1. August 2025 bei Jive Germany erscheinendes, über weite Strecken eigenhändig produziertes Debüt-Tape bei weitem nicht ausschließlich in Kölner Kulissen spielt. „Chlodwigplatz“ ist vielmehr eine wilde und nur teilweise chronologische Achterbahnfahrt durch die belebte Biografie eines Rundum-Künstlers, der sein goldenes Herz auf der Zunge und seinen unbändigen Lebenshunger in der markanten Stimme trägt. Diese beschriebene Achterbahnfahrt führt den Hörer in Schlangenlinien an von Stadtsmog blaugrau eingefärbten, brutalistischen Plattenbauten vorbei – entführt aber ebenso unvermittelt an idyllische indonesische Traumstrände im paradiesischen Sonnenuntergang, was die Bandbreite seiner emotionalen Landschaften unterstreicht.
Der musikalische Kosmos von JASCHA ist flüssig und vielschichtig: Mal breitet sich ein intensiver Terpentin-Geruch aus, der an urbane Jugend und kreative Unruhe erinnert, mal durchweht ein Hauch von verwelkten Blumen die Szenerie, Sinnbild für vergangene Lieben oder melancholische Reflexionen. Gelegentlich herrscht eine düstere „La Haine“-Atmosphäre, die an existenzielle Schwere gemahnt, dann wieder wechselt die Stimmung zu einer federleichten „Little Miss Sunshine“-Heiterkeit. Zwischen den musikalischen Polen von Pop, Rap und Neo-Soul, den vibrierenden Technokeller-Feelings und einem warmen Sommertags-Timbre, geprägt von quirligen Synths, breiten Basslines, analogen Pop-Gitarren und emotionalen Streicher-Samples, machen sich hier beklemmende und dort völlig gelöste Sounds breit. „Chlodwigplatz“ ist eine auf eine ganze Generation übertragbare Geschichte von einschneidenden Begegnungen und dramatischen Abschieden. Es erzählt von hyper-euphorischen Momenten und schmerzhaften Niederlagen, von inneren Kriegen in Köpfen und den mühsamen Prozessen der inneren Friedensfindung – eben von JASCHA und allen relevanten Marksteinen auf seinem von steilen Hochs und Tiefs geprägten Weg. Geboren 1998 als Sohn zweier Berufskreativer in Köln, trommelte Jascha Baum bereits auf Kochtöpfen, noch bevor er in ganzen Sätzen sprechen konnte. Schon im Kindesalter konnte er sich nicht zwischen Hip-Hop und Pop entscheiden – eine musikalische Offenheit, die sich bis heute kaum geändert hat. Als JASCHA zehn Jahre alt ist, bricht sein Elternhaus in zwei Teile; ein Ereignis, das den Startschuss einer chaotischen Lebensphase markiert. Zwischen erster Liebe und ersten Grenzgängen, zwischen Halfpipe und Graffiti, entdeckt JASCHA in dieser Zeit seinen unbändigen Freiheitsdrang und seine kreative Ausdrucksform.
Mit vierzehn Jahren bringt er sich auf eigene Faust das Produzieren bei, und kurz später schreibt er seinen ersten Songtext – ein frühes Zeugnis seiner autodidaktischen Ambitionen. Noch vor der Volljährigkeit blüht JASCHA außerdem als Schauspieler auf. Seine erste Rolle ist direkt eine Hauptrolle in einem Fernsehfilm, in dem sich unter anderem auch Anna Thalbach und Benno Fürmann die Ehre geben. Nach einem lebensverändernden Praktikum zieht JASCHA im Jahr 2020 – obgleich er seine Heimatstadt Köln bis heute stolz auf seinem Motorradkennzeichen repräsentiert und die Vorwahl der Domstadt seine Social-Media-Profile schmückt – nach Berlin. Er lebt ein ganzes Jahr lang in einer zum Musikeratelier ausgebauten Garage. Während er sowohl vor als auch hinter der Kamera im deutschen Filmgeschäft präsent bleibt, arbeitet er ambitioniert und unermüdlich am Projekt Musikkarriere. Auf die Vertragsunterschrift bei Jive Germany folgt 2023 ein vielbeachteter Auftritt bei Unreleased Berlin, der Feature-Song „Driveby“ mit dem Kölner Senkrechtstarter Carlo5 und eine intensive Phase der musikalischen Selbstfindung. Genau in dieser Zeit wird JASCHA durch eine chronische Mandelentzündung ausgebremst. Nach und nach beginnt er jedoch, die Zwangspause als Chance zu begreifen, den Charakter seiner Kunst für sich zu filtern und neue, noch persönlichere Songs zu schreiben.
Das beeindruckende Ergebnis dieser Selbstfindung ist „Chlodwigplatz“ – diese eigenhändig produzierte und geschriebene LP, die so vielseitig, authentisch und abwechslungsreich nachhallt, wie das Leben selbst. Der autobiografische Opener „Kleiner JASCHA“ legt – untermalt von Gameboy-esken Synth-Sounds – ungeschönt „Daddy-Issues“ offen, bevor das sehnsuchtsvoll-treibende „Sommernacht“ samt pulsierender Hit-Hook das Frischverknalltsein zelebriert. In der mitreißenden Liebeserklärung „Nur mit dir“ spielt JASCHA begleitet von sanften Gitarrenriffs und gut gelaunten Hintergrund-Gesängen maximal befreit und leichtfüßig auf. Im wolkigen wie sprachgewaltigen „Lombok“ machen sich anschließend erste Zweifel breit. Der Song erzählt von einem Rollerunfall im Traumurlaub; und vom sich zugleich abzeichnenden Ende einer Partnerschaft, mit der Frage „Sag, wo haben wir uns verfahren?“. Danach folgt der bereits veröffentlichte und unlängst sechsstellig gestreamte Titelsong „Chlodwigplatz“ – jene Abschiedsgeschichte, die das bedrückend flaue Morgengrauen-Gefühl nach einer durchgemachten Nacht treffend in Musik übersetzt.
Gedämpfte Claps und unaufdringliches Pianospiel umsäumen den darauffolgenden Song „Panzerglas“. Es ist das wohl intimste Stück auf JASCHAs ohnehin persönlicher Debüt-LP: „Sitz’ auf der Treppe, wo wir immer war’n / Und unsere Namen steh’n immer noch da“, eine berührende Ode an die Beständigkeit von Erinnerungen. Im Zuge der melancholisch-trüben Vorab-Singles „Keine heile Familie“ und „Haus an der Ecke“ reist JASCHA anschließend ein gutes Stück weiter in die eigene Vergangenheit. Mit unnachahmlicher Unmittelbarkeit gelingt es ihm in „Keine heile Familie“, den Zusammenhang zwischen den „Scherben im Bilderrahmen“ des Elternhauses und jugendlichen Abstürzen in alten Fabrikhallen begreiflich zu machen. „Haus an der Ecke“ leitet inhaltlich wiederum nahezu perfekt zur Weltschmerz-Ballade „Lianen“ über, in der JASCHA seinen Blick weitet und die eigene Luftnot beschreibt, die die global-politischen Entwicklungen unserer Zeit in ihm auslösen. Der nonchalante, schleppende, in Saxofon-Spiel gipfelnde Abschiedssong „Pass auf dich auf“ läutet versöhnlich den Schlusspunkt der Tracklist ein: „Ich bin Cosmo, du bist Wanda / Ja, ich bleib für immer hier“. Das „Hier“ in diesem Kontext ist der Beweis dafür, dass JASCHA seine dunkle, klare, angenehme, geradezu majestätisch nachhallende Rap- und Flehgesangsstimme als das mit Abstand wichtigste Element seiner Musik versteht und meisterhaft einzusetzen weiß.
„Chlodwigplatz“ ist Anfang und Ende zugleich. Es schließt JASCHAs Erwachsenwerden – auch seine intensive Suche nach einem Platz in der Welt – in persönlicher und künstlerischer Hinsicht ab, begräbt Dämonen der Vergangenheit und schlägt emotionale Kapitel zu. Und doch ist es sicherlich nur der Startpunkt einer vielversprechenden multikreativen Karriere, die schon jetzt ein beachtliches Abbild des Credos „Du hast nicht in der Hand, woher du kommst / Doch du hast in der Hand, wohin du willst“ ist – ein inspirierendes Mantra für eine neue Generation von Künstlern.
Quelle: Sony Music

