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Michael Kiwanuka legt mit „FUDGE“ sein fünftes Studioalbum vor. Selbst produziert, zwischen Soul, Folk und Psychedelik entstanden, markiert es nach gesundheitlichen Rückschlägen einen Neuanfang.

Michael Kiwanuka hat sein fünftes Studioalbum veröffentlicht: „FUDGE“ ist seit dem 23. Oktober 2026 über Polydor Records erhältlich. Zwölf Songs umfasst die Platte, und sie klingt weniger nach sorgfältig geglätteter Studioarbeit als nach einem Künstler, der sich bewusst Freiräume verschafft. Für den Londoner Soulsänger ist das ein Einschnitt: Zum ersten Mal seit seinem Debüt „Home Again“ aus dem Jahr 2012 hat er die Produktion wieder selbst übernommen.

Ein Album mit langer Vorgeschichte

„FUDGE“ entstand fast zeitgleich mit „Small Changes“, das 2024 erschien. Die Schreibphase reicht nach Angaben aus dem Umfeld des Künstlers bis ins Jahr 2023 zurück. Ursprünglich sollte das Album deutlich früher herauskommen, doch anhaltende gesundheitliche Probleme verschoben die Veröffentlichung um fast ein Jahr. Im September 2026 machte Kiwanuka in einem persönlichen Statement öffentlich, dass er sich nach einem Schlaganfall auf einer „langen Reise“ der Genesung befindet. Bereits im Juli 2025 hatte er wegen „anhaltender Krankheit“ europäische Festivaltermine abgesagt, darunter das Sziget Festival, außerdem einen Support-Slot bei Mumford & Sons in Nordamerika. Sämtliche Live-Aktivitäten ruhen derzeit auf unbestimmte Zeit.

Vorab sind mit „Summer Clothes“ und „Sing“ bereits zwei Singles erschienen, die einen ersten Eindruck von der Richtung des Albums vermittelten.

Produktion: Selbstbestimmung statt Danger Mouse

Mit der Eigenproduktion löst sich Kiwanuka von der Zusammenarbeit mit Danger Mouse und Inflo, die seine jüngeren Alben geprägt hatte. Aufgenommen wurde überwiegend im „Dreamers“, einem Ein-Raum-Studio nahe seinem Haus in Southampton, zusätzlich auch in Frome. Mit an Bord war der Multiinstrumentalist Joe Connell. Der Durchbruch kam, als beide eine geplante Session abbrachen und stattdessen einfach improvisierten. Daraus entstand der siebenminütige Song „Love in My Heart“. Viele Stücke gehen auf Live-Jams und Single Takes zurück, was dem Material hörbar etwas Unmittelbares gibt. Kiwanuka selbst beschreibt „FUDGE“ als verspielteres, instinktiveres Album.

Für den Feinschliff zog er Produzent Dom Monks hinzu, der unter anderem für Laura Marling und Big Thief gearbeitet hat. Die Streicherarrangements stammen von seiner langjährigen Kollaborateurin Rosie Danvers, die auch schon mit Adele und Coldplay zusammengearbeitet hat.

Sound: Soul, Folk und psychedelische Färbungen

Stilistisch bewegt sich „FUDGE“ zwischen Soul, Folk und psychedelischen Einflüssen. Der bewusst offene, experimentierfreudige Ansatz steht im Kontrast zur kontrollierten Dramaturgie früherer Werke. Orchestrale Streicher treffen auf rohere, band-nahe Aufnahmen. Erste Kritiken aus Großbritannien beschreiben das Ergebnis als zugleich ungeschliffen und melodisch reich.

Titel, Artwork und Bezug zur Heimat

Auch der Titel ist Programm. „Fudge“ sei verspielt und kindlich, was der Kreativität guttue, erklärt Kiwanuka. Zugleich sei es eine höfliche Art zu sagen: „Ich mach’s jetzt einfach.“ Das psychedelische Artwork stammt von seinem Freund, dem Künstler Stevie Gee. Ein dazugehöriges Albummural ist in der Avenue Mews in Muswell Hill zu sehen, dem Londoner Viertel, in dem Kiwanuka aufwuchs.

Einordnung in die Karriere

Kiwanukas Laufbahn ist seit seinem Debüt „Home Again“, das Platz 4 der UK-Charts erreichte, stetig gewachsen. Der Nachfolger „Love & Hate“ stieg 2016 auf Platz 1 der britischen Albumcharts ein. Sein Song „Cold Little Heart“ lief im Vorspann jeder Folge der HBO-Serie „Big Little Lies“. 2020 gewann er für sein drittes Album „Kiwanuka“ den Mercury Prize, im Jahr darauf folgte eine Grammy-Nominierung als bestes Rock-Album. 2024 stand er auf der Hauptbühne in Glastonbury. Vor diesem Hintergrund wirkt „FUDGE“ wie ein bewusster Schritt weg von der Erwartungshaltung hin zu mehr Spontaneität.

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