Die Produzentin hinter „Roller“ tritt unter eigenem Namen auf: Suenas Debüt-EP „INSTINCTA“ verbindet Klavier, Streicher und Pop-Handwerk zu melancholischer Musik voller Trost und Hoffnung.
Ein Klavier, das nicht laut sein muss, um etwas auszulösen. Ein Streichersatz, der sich wie ein warmer Mantel um die Melodie legt. Genau so klingen „Primapulsa“, „Adulta“ und „Calma“, die drei Stücke, zu denen Suena bereits Musikvideos veröffentlicht hat. Und spätestens mit ihnen ist klar: Hier macht jemand etwas ganz anderes als das, wofür sie bisher bekannt war. Seit dem 30. Oktober ist ihre Debüt-EP „INSTINCTA“ erhältlich.
Dabei kennst du ihre Arbeit mit großer Wahrscheinlichkeit längst, auch wenn du ihren Namen vielleicht nie gelesen hast. Suena, bürgerlich Jennifer Allendörfer, hat gemeinsam mit ihrem Produktionspartner Luis-Florentino „Lucry“ Cruz „Roller“ von Apache 207 gebaut. Der Song erschien am 23. August 2019 als Leadsingle der Debüt-EP „Platte“, stieg in Deutschland auf Platz 1 und holte beim Deutschen Musikautorenpreis der GEMA zwei Jahre in Folge die Auszeichnung als „Erfolgreichstes Werk“. Später produzierte und schrieb sie für Herbert Grönemeyer, Ikkimel und Capital Bra, quer durch Hip-Hop, Pop und Rave. Nun tritt sie zum ersten Mal als ausführende Künstlerin unter eigenem Namen ans Mikrofon, besser gesagt ans Klavier.
Musikalisch bewegt sich „INSTINCTA“ zwischen zeitgenössischer Klassik und Pop. Suena hat eigene Kompositionen für Piano und Streicher geschrieben und sie in den Emil Berliner Studios eingespielt. Sie selbst nennt das Ergebnis „Modern Disney“, und das trifft es gut: filmisch, melodiös, klangschön, dabei melancholisch, aber durchzogen von Trost und Hoffnung. Einflüsse von Chopin und Debussy, den Komponisten, die sie auf ihrem Weg begleitet haben, treffen auf Produktionstechniken aus dem Pop-Baukasten. Ihre erste Single „Primapulsa“ bezeichnete sie als „Musik zum Heilen“. Beim Stück „Victoria“ hat sie sich Esther Abrami als Special Guest an die Geige geholt.
Zurück zur ersten großen Liebe
Das Klavier war immer da. Mit acht Jahren fing Suena an zu spielen, eine Mentorin in ihrer südhessischen Heimat begleitete sie zwölf, dreizehn Jahre lang. Dazu kamen Querflöte, Geige und später autodidaktisch die Gitarre. Parallel schlich sich der Pop ein: Was sie hörte, musste sie sofort am Klavier nachspielen, Songs von Madonna, Christina Aguilera oder den Red Hot Chili Peppers. Sie wollte verstehen, wie man mit so wenigen Mitteln so große Gefühle erzeugt. Dieser Analysemodus führte sie an die Popakademie Mannheim und weiter nach Berlin, wo sie sich als Pianistin einen Namen machte, in einer Band spielte, im Fernsehen auftrat und Dua Lipa als Vorband begleitete.
Das Produzieren für andere beschreibt sie als Cape, das man sich überstülpt: Man versetzt sich in die Lage von Künstlerinnen, Künstlern und deren Fans. Mit „INSTINCTA“ ist es anders. „Das sind meine Gefühle. Ich spreche durch das Klavier“, sagt sie. Der Schritt, mit dem eigenen Namen für die eigene Soundwelt einzustehen, war für sie „mit viel Konfrontation verbunden. Konfrontation mit mir selbst“. Vielleicht, sagt Suena, will sie damit auch andere ermutigen, selbst zu komponieren.
Wer die EP lieber in die Hand nimmt: „INSTINCTA“ gibt es auch auf Vinyl, laut Händlerangabe als 180-Gramm-Pressung in Bubblegum-Pink mit handsigniertem Artprint der Künstlerin. Konzerttermine sind bislang nicht bekannt.

MISTER MIXMANIA
