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Dieser Eintrag wurde am 26. November 2024 veröffentlicht und ist möglicherweise veraltet.

MULAY goes deep. Dorthin, wo es wehtut. “LAVENDER”, das mit Spannung erwartete Debütalbum der Alternative-R&B-Musikerin Mulay ist ein zutiefst persönliches Projekt. In zwölf kunstvoll intimen Songs verarbeitet sie eine intensive, schmerzhafte Erfahrung mit toxischer Liebe. Dabei ist “LAVENDER” aber viel mehr als ein klassisches Heartbreak-Album. Die Platte handelt davon, „über diese Liebe hinwegzukommen und sich selbst auf dem Weg zu finden“, sagt Mulay. “LAVENDER” ist ein Plädoyer dafür an Verletzungen und Enttäuschungen zu wachsen. Ein Leuchtfeuer im Sturm dunkler Zeiten, das von Heilung, Selbstentdeckung und Empowerment erzählt. 

Stärke durch Verletzlichkeit – das ist das Mantra dieser Platte.

Mit “LAVENDER” setzt die in Berlin lebende Singer-Songwriterin, Produzentin und Künstlerin den Weg fort, den sie mit zwei EPs begonnen hat: “ANTRACYTE” (2021) und “IVORY” (2022) ergänzten sich konzeptionell zu einem interdisziplinären Gesamtkunstwerk aus Sound, Gesang, Visuals und Performance, bei dem ambivalente Gefühle, Licht und Dunkelheit, zusammengedacht werden. Einerseits ist “LAVENDER” eine Fortsetzung dieser intimen Erkundungen komplexer Gefühlswelten. Immer noch steckt Mulay hinter jedem Detail von Songwriting über Produktion bis Styling und Videokonzepte. Aber das Album ist auch ein Umbruch.

Denn für Mulay war die Arbeit am Debütalbum mehr als je zuvor ein therapeutischer Prozess. Auf “LAVENDER” emanzipiert sie sich von all den angestauten Emotionen und schafft Raum für ihre Wut, die sie sich selbst zu lange verwehrt hat und die gerade Frauen in der Gesellschaft oft nicht zugestanden wird. Mit ihrem gefühlvollen Gesang und brutal ehrlichen Lyrics, lässt uns Mulay eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt der letzten Jahre. Was ursprünglich erst nur eine Single werden sollte, und dann eine EP, führte sie mitten hinein in einen kreativen Flow, an deren Ende ein ganzes Album stand. „Es ist nicht, das Debütalbum, dass ich geplant habe zu machen“, sagt Mulay. „Aber es ist das Album, das ich machen musste.“ Als Mensch und als Musikerin. 

Was Mulay dabei besonders wichtig war: Nicht vage und zu metaphorisch zu bleiben, sondern ganz ehrlich das Innerste aus sich herauszuholen, all die Ängste und Sehnsüchte, und sie in die Texte zu gießen. „Das Projekt ermöglichte es mir, kompromisslos meine Wahrheit auszusprechen und mich im Prozess von all dem Schmerz und der Enttäuschung zu befreien“, sagt Mulay. Keine Zurückhaltung, keine Zeit mehr für Harmonie. Auf “LAVENDER” wird toxisches Verhalten ohne Rücksicht klar benannt. 

In „Ghosting You“, dem Track, mit dem alles begann, geht es um Ghosting als Selbstschutz. Um den quälenden Moment des Abwendens von einer Person, die man zutiefst begeht, die einem aber ganz und gar nicht gut tut. „I can’t be exposed to you, cause I’d wanna be close to you”, singt Mulay. 

Mulay - Ghosting You (official video)

„White Room“ verhandelt das emotionale Delirium nach der Trennung. Es geht um den Wahn in der Entzugskapsel, in der man ganz allein ist dem Dröhnen der eigenen Gedanken, die keine Richtung und keinen Ausweg kennen, nur Spiralen und Feedbackeffekte. „Für mich geht es in dem Song darum, dass eine toxische Liebe wirklich wie eine Drogenabhängigkeit sein kann, und ganz reale, auch körperliche Entzugssymptome mit sich bringt“, sagt MULAY. 

Mulay - White Room feat. Eddington Again (official video)

In „Kill The Lonely“ ist sie schon einen Schritt weiter, lässt den Heartbreak hinter sich und blickt ganz tief nach innen. Der Song ist ein „ein Sich-verletzlich-Zeigen und Sich-verletzlich-Machen“. Eine Unterhaltung mit ihr selbst, bei der sie sich fragt: Was fühle ich eigentlich wirklich?“ Die Antwort: „I just wanna be held you know/ And I know it’s irrational / And I know that it’s human tho”. 

Mulay - Kill The Lonely (official video)

Entstanden sind die Songs zwischen Paris, London und Berlin – zusammen mit alten (Llucid, Novaa), aber vor allem mit den neuen Kreativpartnern wie den französischen Produzenten und Multiinstrumentalisten Elie Zylberman und Jules Minck. Auf der Suche nach ihrer kompromisslosen Wahrheit bewegt Mulay sich fließend zwischen innovativem Songwriting und ambitionierten Produktionen, die weite, kaleidoskopartige Soundräume voll von souligem R&B, Hip Hop und Electronica aufmachen. Mulay verwandelt Schmerz und Wut in fiebrig aufgeladene, ansteckende Soundscapes, in denen Downtempo-Momente und schnellere, tanzbare Beats sirupartig zu einem emotionalen Rausch zusammenfließen.

Am Ende macht sie aus den negativen Erfahrungen, aus denen “LAVENDER” erwachsen ist, etwas hell Leuchtendes. Die Verwandlung von „Tears Into Diamonds“, wie ein Songtitel es so schön zusammenfasst. Dazu passt auch, dass auf der zweiten Albumhälfte die Songs immer weniger von Verletzung erzählen – und immer mehr von Stärke und Widerstandsfähigkeit. Für diesen neugefundenes Selbstbewusstsein ist „Half Human Half Dragon“ die perfekte Hymne, die der Mulay zwischen lässig Gesang und Rap wechselt: 

I am half human half dragon
Thick skin, lotta baggage
Good girl, gone savage
Good heart, bad habits

Am Ende der Platte steht für Mulay die Gewissheit: „Es ist an der Zeit sich von dem Bedürfnis auserwählt zu werden zu befreien und sich endlich selbst zu wählen.“ Mit “LAVENDER” beginnt eine neue Ära. Eine Ära neuer Freiheit und dem mutigen Versprechen für sich selbst einzustehen und in sein eigenes Licht zu treten. 

 

 

Quelle: Better Things