Knapp dreißig Jahre nach seinem legendären “MTV Unplugged”-Debüt als erster nicht-englischsprachiger Künstler blickt Herbert Grönemeyer erneut auf sein Werk. Mit “Von allem anders” präsentiert der Ausnahmekünstler ein tiefgründiges, neu arrangiertes Unplugged-Album, das seine Klassiker in ein überwältigendes, chorales Licht taucht – eine künstlerische Herausforderung, angetrieben von Demut, Freude und der unbändigen Liebe zur Musik.
Es war ein Meilenstein: Vor fast drei Jahrzehnten, nur zehn Jahre nach seinem Durchbruch mit “4630 Bochum”, betrat Herbert Grönemeyer die Bühne des Studio Babelsberg, um als Pionier ein Akustik-Konzert für die “MTV Unplugged”-Reihe aufzunehmen. Nun, mit einer dreißigjährigen Geschichte gefüllt mit persönlichen Schicksalsschlägen, triumphalen Erfolgen, neuen Alben und unvergesslichen Hymnen, schließt sich der Kreis.
“Mein ganzes Leben hat sich natürlich Ende der Neunziger verändert. Und ich denke, dadurch auch mein Verhältnis zum Leben an sich”, reflektiert Grönemeyer über die Zäsuren seines Lebens. Was in all den Jahren geblieben ist, ist die Essenz: die Liebe zur Musik, die er heute mit noch größerer Demut und Freude beschreibt. “Sie ist ein unheimlicher Kraftschub, den man in sich trägt. Man weiß, warum man Musik macht, wie sie einem auch selbst hilft.”

Die Chor-Revolution: 64 Stimmen und eine neue Herausforderung
Drei Jahrzehnte später bietet sich die Gelegenheit für eine tiefgehende Retrospektive – den zweiten Unplugged-Streich. Oder, wie das Album so treffend und programmatisch betitelt ist: “Von allem anders”.
Statt einer einfachen Neuauflage des Konzepts entschied sich Grönemeyer für die radikale Neuerfindung. Im Zentrum dieser Transformation steht die Zusammenarbeit mit dem preisgekrönten Berliner Rundfunkchor. 23 Songs wurden in ein neues, unverstärktes Gewand gekleidet, gemeinsam mit seiner langjährigen Band – darunter Armin Rühl (Drums), Norbert Hamm (Bass), Jakob Hansonis und Stephan Zobeley (Gitarren), Alfred Kritzer (Keyboard) und Percussionist Rhani Krija – sowie zahlreichen Orchestermusiker*innen.
“Wir haben uns gedacht, machen wir genau das gleiche wie vor dreißig Jahren nochmal, zeichnen wir ein Konzert auf? Oder versuchen wir etwas Neues? Ich brauche doch für mich selbst eine Herausforderung”, erklärt Grönemeyer seine Motivation. Und diese Herausforderung fand er in der Fusion seiner ureigenen, wortgewandten Popsongs mit der Wucht und Tiefe eines 64-köpfigen Chores. “Mich hat das interessiert, das ist etwas zum Kochen – 64 Personen mit einem unglaublichen Klang und einem ganz eigenen Charakter. Die Farbe, dieser Druck und das Menschliche, das hat mich interessiert.”
Essenz und neue Zeilen: Die Magie der Reduktion
Die Aufnahme selbst wurde zu einem einjährigen Prozess, der in legendären Orten wie den Hansa-Studios und dem RBB-Rundfunksaal stattfand. Diese Form der Produktion, fernab eines einmaligen Live-Events, verleiht den Songs eine neue, fast essenzielle Qualität.
Ein Paradebeispiel dafür ist “Mensch”. Die Neuinterpretation treibt den Minimalismus der ursprünglichen Version auf die Spitze, entwickelt einen neuen, hypnotischen Sog – und enthält sogar neue, der aktuellen Zeit geschuldete Textzeilen. “Ich dachte darüber nach, was eigentlich der Inhalt von dem Lied ist,” so Grönemeyer. “In der Situation, in der ich mich damals befand, war es Gemeinsamkeit, die Hilfe meines Umfelds, die mich da rausgeholt hat. Das ist heute genau das Thema: der Zusammenhalt.”
Die Rückkehr zu den eigenen Werken war nicht immer Routine. Grönemeyer räumt ein: “Mich hat sehr selber überrascht. Speziell bei ‚Der Weg‘, und ‚Ich drehe mich um dich‘ ist mir im Studio aufgefallen, dass mich die dann doch anders berühren, wenn ich sie nochmal singe.”
Alte Freunde und überraschende Gäste
Das Projekt zieht sich nicht nur durch Grönemeyers Bandgeschichte, sondern auch durch die musikalische Szene Deutschlands. Alte und neue Freund*innen steuern ihre Stimmen bei, darunter Lea, Balbina, und Berkan, der bereits auf dem Original “Doppelherz/Iki Gönlüm” zu hören war.
Eine besonders freudige Überraschung ist die Kollaboration mit Peter Fox bei “Warum”. Grönemeyer erinnert sich: “Als ‚Tumult‘ erschien hat er mir geschrieben, dass er das Lied so toll findet.” Die Überlegung, ihn für die Neuaufnahme anzufragen, war naheliegend. “Und es hat mich unheimlich gefreut, dass er das gemacht hat!” Selbst der Fußballer und Autor Christoph Kramer steuert klatschenderweise einen Beitrag bei.
Regelbruch aus Lust und Laune
Obwohl die goldene Regel für das Album vorsah, nur Songs aus den letzten dreißig Jahren aufzunehmen, wurden Grönemeyer und seine Mitmusiker zweimal schwach.
Zum einen mit dem brandneuen Stück “Flieg”, das in Zusammenarbeit mit dem Produktionsduo Lucry&Suena entstand. “Das war nicht geplant – aber das hat sich wunderbar ergeben. Es ist taufrisch und aus Köpfen, die neu zu uns dazugekommen sind.”
Der zweite Regelbruch gilt dem Über-Song “Flugzeuge im Bauch” von 1984, der bereits Teil des ersten MTV Unplugged war. Die Begründung dafür ist entwaffnend einfach und voller Musikerlust: “Das Lied einmal mit einem richtigen Chor singen, den Spaß wollte ich mir gönnen”, sagt Herbert Grönemeyer und lacht.
Diejenigen, die die neuen Arrangements bereits bei den Unplugged-Konzerten im Herbst 2025 miterleben durften, wissen, welche Intensität die 23 Lieder aus Alben wie “Tumult”, “Mensch”, “Schiffsverkehr”, “Das ist los”, “Dauernd jetzt” und “Was muss, muss” gewonnen haben. In ihren neuen, unverstärkten Versionen wirken Grönemeyers Songs noch direkter, eindringlicher. Sie überraschen mit frischen Soundideen, zusätzlicher Klarheit, tanzbaren Momenten und stiller Melancholie. “Von allem anders” ist mehr als nur eine Retrospektive – es ist die kraftvolle, chorale Neuvermessung eines der wichtigsten deutschsprachigen Lebenswerke.
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