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Dieser Eintrag wurde am 4. April 2025 veröffentlicht und ist möglicherweise veraltet.

Wir alle kennen dieses nagende Gefühl der Unsicherheit nur allzu gut. Es kann uns überfallen, wenn wir kritisch unser Spiegelbild betrachten und mit dem Gesehenen hadern. Oder es meldet sich, wenn wir spüren, dass wir unseren eigenen hohen Ansprüchen – oder gar den Erwartungen anderer – nicht vollständig gerecht werden können. Diese inneren Zweifel und das Gefühl der Unzulänglichkeit sind ein universelles menschliches Erleben.

Genau diese tiefgreifenden Empfindungen thematisiert nun auch Nina Chuba in ihrem brandneuen Song „Unsicher“, der in der vergangenen Nacht das Licht der Welt erblickte. Mit bemerkenswerter Offenheit und Verletzlichkeit teilt sie ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dieser inneren Zerrissenheit:

„Ich dacht‘, es wäre einfacher, Erwachsen-sein ist schwer. Mache oft dieselben Fehler, hab erst selten draus gelernt. Ich küss die falschen Leute, brech‘ mir tausendmal das Herz (…). Ich stolper‘ durch die große weite Welt, ich bin so unsicher. Ich bin noch nicht so gut da drin, ich leb‘ gerade zum ersten Mal.“

Diese eindringlichen Zeilen machen auf bewegende Weise deutlich, dass auch Nina Chuba, trotz ihres unbestreitbaren Erfolgs und der scheinbaren Verwirklichung ihres Traums, keineswegs gefeit vor nagenden Zweifeln und Momenten der Selbstablehnung ist. Sie offenbart, dass sie sich inmitten des Trubels und des Erfolgs immer wieder von einem Gefühl der Einsamkeit begleitet fühlt. Doch gerade mit dieser schonungslosen Ehrlichkeit in „Unsicher“ gibt sie uns einen tiefen Einblick und lässt erahnen, dass ihr kommendes, mit Spannung erwartetes neues Album ein besonders intimes und persönliches Werk werden wird, in dem sie tief in ihre Gefühlswelt eintaucht.

Nina Chuba - Unsicher (Official Music Video)

Man verspürt beinahe den Wunsch, den vollständigen Liedtext von „Unsicher“ an dieser Stelle unkommentiert einzufügen. Er spricht für sich und vermittelt auf eindringliche Weise die Essenz des Songs. Nina Chuba gelingt es in ihrer neuen Single, die bei Jive Germany veröffentlicht wird, mit einer beeindruckenden Präzision und sprachlichen Sensibilität zu erzählen, wie sich das anfühlt, in einem Meer von Unsicherheiten zu treiben – Unsicherheiten, von denen man vielleicht naiv gehofft hatte, sie als vermeintlich „Erwachsene“ endgültig hinter sich gelassen zu haben. Dabei ist es doch eine tiefgreifende Wahrheit, dass niemand, bis zum allerletzten Atemzug, wirklich ein umfassendes Handbuch für das „richtige“ Leben besitzt. Und dennoch wohnt uns oft eine unerbittliche Härte uns selbst gegenüber inne. Die eigenen kritischen, strengen Augen scheinen permanent auf uns gerichtet zu sein, mit einer Unerbittlichkeit, die wir niemals einer Freundin entgegenbringen würden. So fragt sich auch Nina, stellvertretend für viele, mit einer fast schmerzhaften Ehrlichkeit: Müsste man nicht schon viel weiter sein, als man sich gerade fühlt? Die Zeilen „Ich küss die falschen Leute / Brech mir tausendmal das Herz“ oder die beklemmende Feststellung „Ich hab Angst vor dem Alleinsein, Mitte 20 um halb 4“ sind wie Momentaufnahmen einer inneren Zerrissenheit, die viele in dieser Lebensphase nur zu gut kennen.

Nina Chuba konfrontiert uns mit ihren dichten, bildhaften Texten, die wie prägnante Vignetten dunkle, aber zutiefst authentische Facetten des Lebens beleuchten. Sie scheut sich nicht, den eigenen Selbsthass zu thematisieren: „Ich schau so lang in den Spiegel / Bis mir irgendwas nicht passt / google Kollagen und Filler und / hass danach, dass ich mich hass“. Und immer wieder schimmert die eigene Selbstablehnung durch, die fast resignative Akzeptanz, wenn etwas gelingt: „Greife nach den Sternen und wenn ich schaff / dann nenn ichs Glück“. Implizit schwingt die Erwartung der Gesellschaft mit, der unaufhörliche Druck, sich zu entwickeln, „anzukommen“. Und unweigerlich wird die Frage lauter, ob man jemals einen so festen Stand im Leben erreichen wird, dass einen absolut nichts mehr ins Wanken bringen kann. Die Unsicherheiten scheinen hier vielmehr als beständige Begleiter, als fast schon unveränderliche Konstanten wahrgenommen zu werden. So viele Themen, mit denen man nach wie vor ringt, die einem schwerfallen loszulassen, zu überwinden. Am Ende des Tages bleibt die tröstliche Erkenntnis: „Mama sagt, ich weiß jetzt, wie das alles funktioniert / Aber ich meld mich, wenn ich weinen muss, immer noch zuerst bei ihr“. Das Erwachsenwerden ist eben ein fortlaufender Prozess, und das Erwachsensein bedeutet oft genug: „Mach oft dieselben Fehler / Hab erst selten draus gelernt“.

Die schlichte, aber berührende Melodie der Akustik-Gitarre, die sich einfühlsam an Nina Chubas Stimme schmiegt, erfährt im Refrain eine interessante Wendung, indem sie in einen synthetischen Klang aufgeht. Ein Echo im Hintergrund, das in einer an die 80er-Jahre erinnernden Weise wummert, erzeugt eine Atmosphäre, die fast ein wenig nach Aufbruch klingt – als würden sich in diesem kurzen Moment alle greifbaren Konturen, sogar die Worte selbst, aufzulösen. „Ich stolper durch die große, weite Welt, ich bin so unsicher / Ich bin noch nicht so gut dadrin / Ich leb gerade zum ersten Mal“, singt die junge Musikerin mit einer fast schon anerkennenden Note in der Stimme. Und vielleicht liegt darin die befreiende Erkenntnis: Es ist in Ordnung, sich unsicher zu fühlen. Vielleicht ist genau das der normale Zustand, vielleicht ist es sogar genau richtig, so wie es ist.

 

 

 

Quelle: Sony Music