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Dieser Eintrag wurde am 1. November 2024 veröffentlicht und ist möglicherweise veraltet.

Sich zu trennen, obwohl da Liebe ist? Kayla Shyx nimmt uns mit in ein bekanntes Gefühlschaos. „lieb dich eigentlich 🙁 erzählt davon, wie es ist, wenn Liebe allein nicht reicht. So schmerzhaft diese Erkenntnis und fast ein bisschen zu pragmatisch im ersten Moment – weil: ist Liebe nicht alles, was wir brauchen? – so reif wirkt sie: Enden zeichnen, neue Anfänge, ganz selbstbestimmt, bevor man vollständig aneinander zu zerbrechen droht. Denn „noch können wir uns in die Augen sehen“ singt Kayla zart und bewegend. 

Ihr hauchendes Timbre in der Stimme, das sich über die treibende, aber zurückhaltende Drum legt und sich von den wärmenden Indie-Pop-Gitarren-Riffs tragen lässt, kommt einem ziemlich nah. Kaylas schnörkellose und prägnante Zeilen erzählen treffend von einem Schlingern in Gedanken, vom Aushalten, Durchhalten, Festhalten an dem, wie es war, nur einfach nicht mehr ist. Es dauert nicht lang, da steigen die eigenen Erinnerungen auf. Die von den ersten Lieben und süßen Traumwelten. Alte Bilder, die man bei sich trägt, bevor man überhaupt wusste, wie sich echte Liebe anfühlen könnte. Bevor man sich die Dinge genauer anschaut. Klar ist da Angst, weil ein scharfer Blick zwar lichtet, aber eben auch sichtbar macht, was man lieber ignorieren würde. So verändern sich Blickweisen, Gefühle und damit auch die Beziehungen, die man führt. Und plötzlich fällt einem auf: „Nie begreifst du wie ich bei dir nur n’ kleines Stück ich selbst war“. 

Dreamy und zu Synth Orgeln erzählt Kayla in ihrer neuen Single von Zwiegespaltenheit – gehen oder bleiben? – und dem Mut, den es braucht, die Person zu sein, die den schwierigen Schritt geht. „So verzweifelt war ich vorher nur im allerschlimmsten Selbsthass“Kayla zieht den Schlussstrich, „Und ich glaub’, dass es alles hier vorbei ist, glaub’ das ist besser für uns beide, vertrau’ mir ich weiß ist grad’ nicht leicht“ und damit entlässt sie einen irgendwie ermutigt, in Frieden und voller Liebe zu traurigschönen Klängen hinein mitten ins Leben.

Kayla Shyx - lieb dich eigentlich:( (Offizielles Musikvideo)

Wer sich Kayla Shyx genauer anschaut, ist beeindruckt vom Fundament, nicht nur wegen der 3 Millionen Follower auf TikTok, YouTube und Instagram. Ihr erstes Video macht die Creatorin mit 14, nach einem Auftritt im Fernsehen. Nicht lange, da spricht sie über Themen, die sie wirklich bewegen, zieht große feministische Kreise. Eine Heranwachsende in der Welt, im Patriarchat. Kayla versteht: Wissen bringt Argumente, Argumente bringen Selbstermächtigung. Mit dem Teilen ihrer Erkenntnisse ermutigt sie früh andere junge Frauen, auch für sich einzustehen.

Als Trennungskind ist Kaylas Mutter ihre Heldin. Alleinerziehend tut sie alles für ihre Kinder. Sie predigt Selbstbestimmung. Wenig Geld, trotzdem Klavierunterricht, Gitarre, Musical Ausbildung im Friedrichstadtpalast Berlin. Musik färbt früh Kaylas Leben, in Melodien fühlt sie sich zuhause – mit ihrem Körper, der Musik begreift, und einer Stimme, die nie voluminös, dafür markant zart und eindringlich ist. Das Außen reizt sie immer schon, die Bühne. Als sie beginnt, nach Schulschluss Videos zu produzieren, wirft sieder Friedrichstadtpalast raus. Streng und konservativ. Ihr Glück: Der neue Freiraum öffnet Türen.

Kayla Shyx, heute 22, ist scharfe Beobachterin geblieben. Sarkastisch, direkt, eine schnelle Denkerin. Manspürt, wie sie selbst noch an den Wurzeln in sich sägt, die sich von Misogynie wässern lassen. Ihre Barrieren neu justiert. So bricht sie als Jugendliche wie schon die Mutter den Kontakt zum Vater ab. Es tut weh, etwas fehlt. Die Leerstelle neu zu besetzen, klappt erst, als sie versteht, dass Liebe nicht wehtun muss. Da sind Erkenntnisse, immer wieder, ein fortlaufender Reifeprozess.

Kayla Shyx hat sich noch lange nicht auserzählt. Mit ihrem feinen Witz verbindet sie sich auf charmante Weise mit Leidensgenossinnen. Sie weiß, manchmal reicht nur ein Satz, um schwelendes Unbehagen endlich benennen zu können. Und oft geht es ja erstmal nur darum: Worte zu finden

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Quelle: PUBLIC CREATIONS