Die Schweizer Sängerin und Songwriterin Mary Middlefield veröffentlicht heute das bewegende Live Video zu “Last Letter”. Der Track stammt aus ihrer aktuellen EP “Poetry (for the scorned and lonely)”, die im April erschienen ist.
Purpurfarbene Wildblumenpfade, mythenumwobene Berge und ein glasklarer See, so gestaltet sich die Landschaft um Lausanne, dem Heimatort der Schweizer Musikerin Mary Middlefield. Es ist eine Schönheit, die so intensiv ist, dass sie eine fast schon berauschende Wirkung auf deren Anwohner:innen hat. Mitten in dieser gelassenen Stimmung erscheint Mary Middlefield’s Musik wie ein wilder Schrei, der durch die wunderschöne Wildnis hallt.
Die 22-jährige Musikerin und Songwriterin, die früher klassische Geige studierte, setzt nun auf Dramatik, Begehren und Verletzlichkeit als Schlüssel zur Sinnfindung in einem komplexen Universum, in dem Liebe und Missbrauch aufeinandertreffen. Ihre mitreissenden Songs leben gleichermassen von der Intensität des Indie-Rocks als auch der Sanftheit des Folks und so erstaunt es einen nicht, dass als Inspirationsquellen Acts wie Radiohead, The 1975 und Phoebe Bridgers genannt werden.
Ihre Geschichte als Singer-Songwriterin begann vor drei Jahren mit einem gebrochenen Herzen und einem verletzten Ego. “Er machte mitten am Tag mit mir Schluss, während ich ihm die Einkäufe nach Hause trug”, sagt sie. Da sie nichts zu verlieren hatte, dachte sie sich, dass dies der perfekte Zeitpunkt für ein Experiment war. Sie nahm die Gitarre in die Hand, brachte sich selbst das Produzieren bei und begann, Stück für Stück und Note für Note, wieder zu sich zurückzufinden und ihren Schmerz in etwas Produktives und Bestärkendes zu verwandeln.
Die Trennung war denn auch die Initialzündung für ihr Debütalbum “Thank You Alexander”, ein bemerkenswert ausgereiftes Werk, das den Prozess von Herzschmerz und Trauer in schonungsloser Detailtreue dokumentiert. “Alexander” mag ihr das Herz gebrochen haben, aber am Ende war sie es, die gewonnen hat; sie war diejenige, die darüber singen durfte und dadurch zu neuer Stärke fand. Das Album wurde mit großem Beifall aufgenommen. Grosse Namen wie Clash Magazine und The Line of Best Fit im Vereinigten Königreich, das Glide Magazine in den USA und zahlreiche Schweizer Medien wie die Schweizer Illustrierte, Sunrise Starzone oder SRF3 berichteten über das Debüt. Zudem wurde Middlefield im April zum “SRF3 Best Talent” gekürt, was ihrer Karriere insbesondere in der Schweiz einen weiteren wichtigen Push verliehen hat. Daraufhin folgten Auftritte an renommierten Festivals wie dem Montreux Jazz Festival, Winterthurer Musikfestwochen und dem Radar Festival.
Auf ihrer neuesten EP “Poetry (for the scorned and lonely)”, dem Nachfolger zu “Thank You Alexander”, setzt sich Middlefield noch nuancierter mit den Themen von Machtmissbrauch und Grooming auseinander: “Während meines Studiums hatte ich mit mehreren Lehrern zu tun, die extrem emotional missbräuchlich und teils sogar auch körperlich handgreiflich wurden.”
Auf den insgesamt 8 Tracks lässt Middlefield ihren Gefühlen unverblümt freien Lauf. Die EP ist gespickt mit sadistischen Liebesliedern, darunter “Young and Dumb“, auf welchem sie die Koexistenz von Trauma und Liebe erforscht und reflektiert über den Missbrauch, dem sie ausgesetzt war. “Es ist sehr traurig zu merken, dass man ausgenutzt wird, besonders in so jungem Alter. Ich erinnere mich daran, dass ich mich verraten, benutzt und verletzt fühlte und wie ein Wegwerfprodukt vorkam. Und dann habe ich mich gefragt, wie ein vierzigjähriger Mann, der ein Lehrer und eine Person sein sollte, der ich musikalisch vertraue, ein Mädchen, das halb so alt war wie er, ausnutzen und emotional manipulieren konnte.”
In “Heart’s Desire” stellt Middlefield all ihre Gefühle offen zur Schau und erzählt der Hörerschaft von all den Tücken einer solchen Beziehung. “In dem Lied geht es um Unzucht mit Minderjährigen”, sagt Middlefield. “Ich wurde zu einem leichten Opfer, da ich mich sehr in die Person verliebt hatte, die mich missbrauchte”. Das war, wie sie fand, “großartiges Songmaterial”. “Trauma/Love/Trauma/Love“, singt Middlefield in “Love Me, Love Me Not” immer wieder, als würde sie Blütenblätter von einer Blume pflücken. “Ich habe viel über Menschen gelesen und gehört, die in missbräuchlichen Situationen feststecken und wie sie oft nicht weggehen, weil sie nirgendwo hingehen können und es vielleicht sogar schlimmer ist, ganz allein zu sein. So erging es mir damals selbst auch”, erklärt sie. Die Erkenntnis, die mit diesem Gedanken einhergeht, hat sie zutiefst verletzt: Um die Fesseln des Traumas zu lösen, muss man auch die Fesseln der Liebe lösen.
Durch das Schreiben dieser Songs hat Middlefield jedoch das Selbstvertrauen zurückgewonnen, das sie zuvor an ihre grausamen Liebschaften verloren hatte. Das hat ihr sogar den Mut gegeben, etwas wie “Sexless” zu schreiben, eine ausgelassene, freche Nummer, die es in sich hat: “I haven’t had sex in the past year”, heißt es zu Beginn.
“Ich hatte meine Aufrichtigkeit bereits mit den traurigen Liedern bis zum Äußersten getrieben, deshalb wollte ich mich mit diesem Song mehr in Richtung Peinlichkeit bewegen”, erklärt Middlefield. Am Ende stellte sie fest, dass es gar nicht so peinlich war, alles offenzulegen: “Es hat mir eine neue Perspektive gegeben. Es ist nicht wirklich peinlich, keinen Sex zu haben oder Single zu sein oder keinen Partner zu haben oder es einfach nicht zu wollen. Ich will in meiner Kunst nichts zensieren. Das Leben ist nicht schön, Liebe zu finden und sich um sich selbst und seine Lieben zu kümmern ist verdammt schwer, viele Menschen sind grausam und gemein. Wenn es für die meisten Menschen, die ich kenne – mich eingeschlossen -, schon schwer ist, den Tag zu überstehen, warum sollte ich dann versuchen, irgendetwas schöner zu machen, als es tatsächlich ist?”
Auf ihrer neuen EP richtet sich Middlefield an all die Leute, die einsam und in ihrem Leben festgefahren sind und lädt dazu ein, mit ihr zu leiden und zu schreien.
“Simple yet enormously endearing, ‘Band-Aid’ finds this young Swiss songwriter moving with incredible confidence.” – Clash
“Knitting together pastoral indie folk and winsome pop melodies with hints of knotted ‘90s indie rock” – Under the Radar
“Quietly painful, capturing a mood of regret through gorgeous inflection and gentle writing” – The Line of Best Fit
“It’s a wondrous blend of 90s esque indie rock with a garage edge, but also a life-affirming dreamy lush quality that feels like a warm summer’s day with endless possibilities.” – We All Want Someone To Shout For
Quelle: Better Things

