Sarro erzählt in seiner vierten Single einer KI von seiner Verliebtheit und verpackt das Thema in warmen Akustikgitarren-Pop mit einem überraschenden Rat am Ende.
Stell dir vor, du bist frisch verliebt, die Gedanken kreisen nur noch um eine Person, und statt den besten Freund mit Nachrichten zu fluten, tippst du alles in einen Chatbot. Genau da setzt Sarro mit „Ich hab jeder KI von dir erzählt“ an. Der Song ist seine vierte Single und ist erschienen. Er macht aus einem Thema, über das gerade alle diskutieren, eine ziemlich zärtliche Liebeserklärung.
Früher hätte man vielleicht Briefe geschrieben oder Telefonleitungen heißlaufen lassen. Sarro erzählt stattdessen einer Künstlichen Intelligenz von dem Menschen, der ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Für ihn ist das mehr als ein augenzwinkernder Einfall: Der Song fragt auch, warum es gerade jungen Menschen manchmal leichter fällt, mit ChatGPT über große Gefühle zu sprechen als mit jemandem aus Fleisch und Blut. Dazu gibt es eine Livesession auf YouTube, in der man dem Stück ganz nah kommt.
Das Spannende daran: Obwohl es um KI geht, klingt der Track bewusst nach dem Gegenteil von Algorithmus. Akustikgitarren legen einen warmen Teppich, alles wirkt handgemacht und nahbar, ein Pop-Song mit Hip-Hop-Haltung im Hinterkopf und Herz auf der Zunge. Und dann kommt die Pointe, die man nicht erwartet: Die KI hat am Ende selbst einen Rat parat, kurz und eindeutig: „Lass sie nicht mehr gehen.“ Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Chatbot zum Kuppler wird?
Ein Newcomer auf der Suche nach dem leichten Gefühl
Sarro, Jahrgang 2007, ist Enkel eines Portugiesen und Sohn eines Mosambikaners und in einer sächsischen Kleinstadt aufgewachsen. Er kam über Trompetenstunden mit seinem Zwillingsbruder und später über die Gitarre zur eigenen Stimme. Mit vierzehn schrieb er beim Basketball die ersten scherzhaften Battlerap-Zeilen, es folgten Type Beats im Kinderzimmer, selbstgeschriebene Gitarrenballaden und erste Songskizzen auf TikTok. Entdeckt wurde er vom Berliner Label Jive Germany, bei dem er zwischen Abitur und Studienstart unterschrieb.
Seine Songs sind poppig, ehrlich und im Kern optimistisch, mit einer rauen, wachen Stimme, die jedes Gefühl greifbar macht. Als Einflüsse nennt er Bad Bunny, Bakar und Masego, dazu kommen Guitarra-Portuguesa-Klänge, Barrio-Chöre und treibende Claps. Die Platte, auf die das alles hinläuft, ist seine Debüt-EP, auf die er mit seinen Singles hinarbeitet.
Der Weg dahin lässt sich gut nachverfolgen. Am 19. Juni 2026 erschien die Debütsingle „Wie man tanzt“, ein sommerlicher Track über den Wunsch nach Unbeschwertheit, in dem es heißt: „und die Wellen singen einen Song“. Mit „Clean Girl“ knüpfte Sarro daran an, bevor „Messed up“ nachdenklichere Töne anschlug: ein Song über ein Umfeld, das sich verändert, über einen Steinblock dort, wo früher mit den Brüdern Fußball gespielt wurde, und über Freundschaften, die sich wandeln. „Ich hab jeder KI von dir erzählt“ ergänzt diese Reihe nun um das Gefühl, das alles andere kurz in den Hintergrund drängt: verliebt zu sein.
MISTER MIXMANIA
