Auf ihrem neuesten Werk „Terpentin“ katapultieren uns GbR in einen musikalischen Purge-Modus, der uns tief in eine düstere Trümmerlandschaft entführt. Dort begegnet uns eine unbändige Zerstörungswut, die den Kern eines kollektiven Fluchtversuchs bildet. Die Zeile »Wir ziehen um die Häuser, die alten Gemäuer reißen wir um!« schallt wie ein Manifest der Rebellion. Ein wummernder, treibender Bass gibt unerbittlich das Tempo vor, während ein subtiles Flüstern im Hintergrund für unheimliche, fast beklemmende Momente sorgt.
Dieser zentrale Fokus-Track oszilliert gekonnt zwischen den Polen von kühlem Synthpop, einer an die DDR-Ästhetik erinnernden Atmosphäre und den rohen Klängen von Bands wie den Einstürzenden Neubauten. „Terpentin“ wird zusammen mit den bereits bekannten Singles „Gymnastik“, „Einer von euch“ und einem Intro namens „Schwingungslehre“ auf der neuen Veröffentlichung „Antenne 1“ gebündelt. Auf diesem Tape entfalten sich auf vier Songs vielschichtige Kontraste und unterschiedliche Stimmungen, die Joshua und Xaver von GbR meisterhaft zu spannenden Sound-Landschaften verweben. Trotz der mannigfaltigen Stilrichtungen, aus denen sie schöpfen, tragen alle Tracks unverkennbar die gleiche künstlerische Handschrift.
Für „Terpentin“ hat sich das Duo erneut ausgiebig an seinem geliebten KORG Volca Synthesizer ausgetobt. Aus dieser intensiven Auseinandersetzung mit dem Instrument entsteht eine kratzige, kalte Klangkulisse, die dem Song einen unverkennbar industriellen Touch im Stil von Cabaret Voltaire verleiht. Diese brutalistische Stimmung spiegelt sich auch in den Strophen wider, in denen GbR eine Welt skizzieren, die angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage unheimlich real und beklemmend wirkt.
Die lyrischen Fragmente zeichnen ein Bild von beunruhigender Prägnanz:
»Flackernde Lichter treffen auf verschwommene Gesichter /
Kopf zu, die Blicke bleiben nüchtern /
Von überall hörst du sie flüstern, hör genau hin«
Zwischen der beklemmenden Atmosphäre einer Dystopie und einer fast schon paradoxen Aufbruchsstimmung schafft das Duo eine Atmosphäre, die dieses zerrissene Gefühl musikalisch eindringlich widerspiegelt. Dies geschieht mithilfe von stark verzerrten E-Gitarren-Elementen und bewusst dissonanten Klängen. Dabei entsteht eine Dynamik, die Zeilen wie »Die Straße brennt, wir brechen auf in unsere ganz eigene Dystopie« sowohl lyrisch als auch musikalisch spürbar werden lässt. Die brutalistische Ästhetik zieht sich konsequent durch alle Ebenen des Songs und zeichnet eine zerstörte Plattenbau-Kulisse, die jedoch nicht kampflos aufgegeben wird.
Auf „Terpentin“ rennen wir gemeinsam mit GbR um unser Leben und bahnen uns lautstark einen entschlossenen Weg durch die Trümmer dieser postapokalyptischen Landschaft. Wenn GbR ihr einzigartiges Skill Set zum Besten geben, entführen sie uns mit Haut und Haaren in ihre Welt: Alles verschwimmt vor den Augen, und das Terpentin brennt förmlich in der Nase – eine multisensorische Erfahrung, die unter die Haut geht. Sind Sie bereit, sich dieser Intensität hinzugeben? Um es mit den unmissverständlichen Worten von GbR zu sagen: »Die fernen Schreie durch das Megaphon, die sind heute dein Signal!«
Quelle: WarnerMusic

